Pfarrkirche St. Laurentius

Die Kirche St. Laurentius in Bernau wurde im Jahr 1408 erstmals urkundlich genannt. Sicher aber reicht ihre Geschichte in viel frühere Zeit zurück. St. Laurentius war eine Filialkirche von Prien und später von Niederaschau. Die Seelsorge versahen Chorherren des Klosters Herrenchiemsee. Im Jahre 1806 wurde die Expositur zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Als erster Pfarrherr wurde der ehemalige Chorherr Benno Hengeler vom kgl. bayer. Landrichter in sein Amt eingeführt. Eine Urkunde aus dieser Zeit sagt, dass dieses Vicariat in Zukunft einen eigenen Sprengel bildet, und dass durch die Neuorganisation die Seelenzahl von 478 auf 749 steigt. Eine weitere Urkunde bezeugt die Investitur des Pfarrers durch den Archidiakon im Auftrag des Bischofs von Chiemsee. Die damalige Kirche stammte aus spätgotischer Zeit. Ihr Erbauungsjahr ist nicht überliefert. Weil sie für die Pfarrgemeinde zu klein war, wurde 1926 eine neue Kirche, die jetzige, erbaut. Die Kirche ist dem Hl. Laurentius geweiht, einem römischen Märtyrer, der nach der Legende unter Kaiser Valerian im Jahre 258 n. Chr., auf glühendem Rost gemartert wurde. Bemerkenswert ist, daß alle Laurentiuskirchen Denkmäler ältesten christlichen Geistes sind und an solchen Orten oft Römerfunde gemacht wurden (siehe auch Kapitel "Die Römerzeit"). Über die früheste Geschichte unserer Pfarrkirche schreibt Peter von Bomhard in seiner Chronik >Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Rosenheim, II. Teil< (S. 283): "Die älteste Urkunde der Kirche stammt aus dem Jahre 1408. Sie bildet zugleich das erste unmittelbare Zeugnis vom Bestehen des Gotteshauses. Die Kirche reicht jedoch ohne Zweifel in sehr viel frühere Zeiten zurück. So lässt der Umstand, daß Erzbischof Adalbert von Salzburg im Jahre 924 dem edlen Diakon Adalung den Zehent in Bernau (decimam ad Pernouva) überließ, auf das Vorhandensein einer Kirche schon im 10. Jahrhundert schließen. Das Laurentiuspatrozinium in Verbindung mit dem Alter der Siedlung dürfte auf einen Ursprung des Gotteshauses in spätrömischer Zeit hindeuten". Obwohl die Urkunden aus der Frühzeit unseres Gotteshauses spärlich sind, wissen wir, daß die Bernauer Kirche im 12. Jahrhundert eine Filialkirche von Prien war, die das Sanctissimum, das Allerheiligste, in einem Sakramentshäuschen aulbewahrte und auch schon einen Friedhof besaß. Es wurde, wie berichtet wird, 1429 eine Montagsmesse von einem Traunsteiner Bürger nach Bernau gestiftet, auch Ulrich von Freyberg, herzoglicher Pfleger von Marquartstein hatte die Stiftung einer Feiertagsmesse an das Gotteshaus von Bernau geplant, die aber sein Bruder Burkhart verhinderte, da er für die Aschauer Kirche und Taferne Nachteile befürchtete. Eine ewige Feiertagsmesse stiftete 1474 ein Hans Cawfmann (Kaufmann) und seine Ehehälfte Ameley aus Westerham 1475 wurde von den Zechpröbsten und der Kreuztracht eine Sonn- und Feiertagsmesse, 1511 vom Bernauer Tafernwirt Christian Seiser eine Freitagsmesse und 1532 von seinem Sohn eine Mittwochsmesse gestiftet. Bernau war damals eine Kooperatur, wir würden heute sagen Expositur, von Prien, mit einem eigenen Kaplan, die aber 1511 mit der neu gegründeten Kooperatur Hittenkirchen vereinigt wurde. Der Bernauer Kaplan mußte abwechselnd die Sonntagsmesse in Bernau und Hittenkirchen abhalten. Durch Priestermangel war seit der Mitte des 16. Jahrhunderts die Bernauer Kaplanei schließlich verwaist und die Chorherren von Herrenchiemsee übernahmen die geistliche Betreuung. 1631 verfügte der Probst von Herrenchiemsee, daß der Bernauer Kaplan, mit Wohnsitz in Bernau, die Messen in Bernau, Hittenkirchen und auch zwei Wochenmessen in Niederaschau lesen mußte (Grannsenmesse = Die Grannsenmesse ist ein Benefizium, d.h. eine Pfründe an die Kirche zu Aschau für eine ewige, tägliche Messe. Sie wurde 1405 unter Conrad Freyberg gestiftet. Die Güter, die Lucia Mautner ihrem Gemahl Chunrad Granns als Heiratsgut zugebracht hatte, wurden, da die Ehe kinderlos war, durch Schiedsspruch des Bayern Herzogs Stephan der Aschauer Kirche als Pfründe gegeben.) Über das Aussehen und die Bauweise der früheren Kirchen fehlt jegliche Überlieferung. Wann die alte, 1926 abgebrochene Kirche, erbaut wurde, dazu fehlen schriftliche Zeugnisse. Der Turm der heutigen Pfarrkirche stammt noch von der alten Kirche. In ihm sollen die Jahreszahlen 1377, 1435 und 1475 angebracht gewesen sein, wobei Peter von Bomhard diese als beweiskräftig, besonders das Jahr 1377, anzweifelt. Vermutlich wurde das Gotteshaus um die Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet.

Ein Gang durch die Kirche heute.

Die Kreuzigungsgruppe und das Gott-Vater-Relief schuf im Jahre 1849 der Bildhauer Joh. Nep. Petz. Auch die Figuren des hl. Laurentius und des hl. Donatus stammen von ihm. Der Altarraum wurde 1968 vom Bildhauer Michael Bayer neu gestaltet. Im Altarraum hängen vier alte Bilder. Das ehemalige Hochaltarbild zeigt die Kirchenpatrone als Fürbitter. Die schönen Fenstermalereien stammen noch aus der Vorgängerkirche. Auf den Bildern der Kanzel von 1930 versetzte der Maler W. Lessig den predigenden Jesus an den Chiemsee. Schon im Jahre 1696 bemalte der Künstler Jacob Carnutsch die drei Tafeln an der unteren Empore. Ein weiteres Schmuckstück der Kirche sind die 14 Stationen des Kreuzwegs. Der Taufstein wurde zum 125-jährigen Jubiläum der Pfarrei aufgestellt. Die beiden Hinterglasbilder stellen die sel. Irmingard und Weihnachtsszenen dar. Das älteste Geschichtsdenkmal ist das spätgotische Epitaph des Tafernwirts Christian Seiser. Der Turm blieb von der Vorgängerkirche erhalten. Die früheren Glocken waren von den Kriegen nicht verschont geblieben. Die vier heutigen Glocken wurden 1950 gegossen. Weithin erschallt ihr harmonisches Geläut zum Gottensdienst und zu traurigen wie frohen Anlässen.

Pfarrkirche St. Laurentius um 1920

Innenansicht zwischen 1926-1966